Hurra! Piraten sind etwas, was Grüne bereits vor zwei Jahren waren!

Gekentert (capsize © by Elliot Moore)

Nämlich eine eitle, auf Außendarstellung bedachte Partei, die nicht Ziele, sondern sich selbst im Blick hat.

Ich habe schon oft meine Anerkennung für Christopher Lauer ausgedrückt, weil er für mich den (frühen) Prototyp eines Politikers der Zukunft darstellt. Diese Aussage möchte ich vorerst widerrufen, nachdem mir eben das hier in den Google Reader geflattert kam.

Einige offene Worte dazu:

Ehemals sehr geehrter Herr Lauer, inzwischen nur: Herr Lauer (für die Zukunft noch keine Anrede bekannt),

ich dachte, sie würde was taugen. Ihre Rede vor dem Abgeordnetenhaus am 12.1 war inhaltlich mit das beste was mir seit einer Ewigkeit unterkam, ihre Arbeit in der Fraktion Berlin brachte ihnen mehrmals meine Anerkennung, ich fand ihr persönliches sowie politisches Auftreten stets authentisch und gut.

Aber der “arschoffen” Beitrag in ihrem Blog ist eine dermaßene Unnötigkeit und Umkehrung von alledem, weshalb ich sie sonst so vehement verteidigt habe, dass ich persönlich enttäuscht bin, und das ohne sie persönlich zu kennen.

Ich dachte, die Piraten treten an mit Politik für die Menschen statt Politik für die Partei, mir Zusammenarbeit statt Gegenarbeit, mit dem Vergessen vor Parteigrenzen wenn es der Politik hilft.

Keine Frage, es ist mal wieder tollste Parteipolitik, was Frau Pop da macht, es ist lächerlich und respektlos. Es zielt vielleicht sogar darauf ab, sie in der Ehre zu kränken, denn der Ruhm für dieses Gesetz gebührt ihnen, den Piraten, und sonst niemandem. Sie waren erster! Sie habens erfunden!

Wissen sie was? Bullshit! Es ist verdammt nochmal scheißegal, wer das Gesetz “erfunden” hat, es ist scheißegal wer angefangen hat. Ich dachte den Piraten ging es nicht um sich, sondern um die Sache.

Natürlich ist die Kritik am “durch den Senat prügeln” berechtigt, natürlich ist das nicht ok was die Grünen da machen, aber das wundert sie, Herr Lauer, doch nicht ernsthaft. Wer gute Politik machen will, muss persönliche Eitelkeiten runterschlucken. Lieber ein gutes Gesetz ohne Lorbeeren durchbringen als es mit Lorbeeren abgelehnt zu bekommen. Ja, die Linie der Grünen verspricht nichts gutes, ja, so wird das nichts mit dem Gesetz. Aber so wie sie sich präsentieren wird das ganz sicher nicht besser. Mit dieser Art bringen sie keine Partei von ihrer Linie ab.

Würden sie was bewegen wollen, dann hätten sie das Verhalten angeprangert, aber verdammt nochmal nicht so ekelhaft arrogant, ironisch, sarkastisch und unterschwellig selbstverherrlichend. Das, was sie machen, ist ein Spiegelbild des Problems, das wir in Deutschland haben.

Gegeneinander arbeiten, Parteigrenzen erst aufbauen und dann nie mehr übertreten.

“Arschoffen”? Ist das ihr Ernst? “ARSCHOFFEN”? Da könnte ich ausrasten. Sie haben doch den Arsch offen, wenn sie glauben, dass sie mit so einer Art wirklich etwas bewirken können.

Wahrscheinlich können sie nichts bewirken, egal wie, ob mit oder ohne offenem Arsch. Aber so, mit diesem Post, haben sie es nicht mal versucht.

Das ist ihrer selbst unwürdig.

Ypsilon

 

4 Comments

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4 Responses to Hurra! Piraten sind etwas, was Grüne bereits vor zwei Jahren waren!

  1. Sehr geehrter Herr Ypsilon,

    Toll! Für Ihre Kritik an mir wählen Sie also das Stilmittel des offenen Briefs. Wie Mutig! Damit brechen Sie ja mit der gewohnten Empörungstradition im Internet. Nicht.

    Statt mir eine Mail zu schreiben oder mich anzurufen, mich einfach zu fragen was mich dabei geritten hat, die URL so zu wählen wie ich es getan habe, lassen Sie gleich mal die ganze Welt wissen, wie man es Ihrer Meinung nach hätte besser machen können. Das zeugt doch von wahrer Größe und Sachlichkeit. Ihre “offenen Worte” sind nichts als Kalkül und der peinliche Versuch, über das Abarbeiten an mir ein Bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Ich sag Ihnen was: Wenn Sie meine Politik nervt, dann treten Sie doch einfach der Piratenpartei bei und ändern was dran.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christopher Lauer

    • Ob die gewohnte “Empörungstradition” in Deutschland (das Internet gibts auch dort) toll ist oder nicht, das will ich gar nicht diskutieren.

      Dieser Post ist kein “Abarbeiten”, im Gegenteil, ich kritisiere nicht ihr ganzes Tun, ich sage nur, dass sie meinen Eindruck von ihnen, nämlich, den, dass sie über persönliche Eitelkeiten, die in der Politik hinderlich sind, hinwegsehen können, widerlegt haben.

      Persönliche E-Mails sind schön und gut, aber die können wir schreiben, wenn wir uns über unsere Haustiere unterhalten. Politische Diskussion im Hinterzimmer ist nicht immer unsinnig, in diesem Fall halte ich sie aber sehr wohl dafür. Sie kritisieren öffentlich die Grünen, ich kritisiere öffentlich zurück, auch, weil ich glaube, dass sie das abkönnen.

      Dann jetzt hier, öffentlich: Warum wählen sie die URL so, hmm? Warum, wenn nicht um damit zu kränken? Ich bitte um die Belehrung eines Unwissenden, der sicher eine Menge Dinge benötigt, aber gewiss nicht Aufmerksamkeit.

      Und: Mein Ekel vor der Parteienlandschaft hielt mich bisher davon ab, einer beizutreten. Erklären sie mir bitte, wie ich von innen die Eitelkeiten besser ändern kann als von außen. Wenn sie auch nur einen Ansatz haben, trete ich unverzüglich bei.

  2. Sehr geehrter Herr Ypsilon,

    1. Frage: Ich habe die URL so gewählt, weil ich es so wollte.
    2. Frage: Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand davon gekränkt fühlt.
    3. Frage: Treten Sie einer Partei bei, um sie aktiv von innen zu verändern. Sie können bloggen bis der Arzt kommt, wenn Sie der Meinung sind, dass sich dadurch etwas in Parteien oder Deutschland verändert liegen Sie falsch.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christopher Lauer

    • zu 1) Wow. Ehrlich. Super. So ein Mist aber auch, dass nicht “iuserhosiefn” dabei rauskam, sondern eben “arschoffen”, was blöderweise viel leichter falsch zu verstehen ist. Und dafür hätte ich ihnen jetzt ne Mail schreiben sollen?

      zu 2) Wetten, dass die grüne und die piratige Fraktion am Ende nicht gemeinsam für das Gesetz arbeiten werden? Sie werden jetzt sagen, daran hat ihr offener Arsch nichts geändert. Ich werde das Gegenteil behaupten und wir haben beide genau 50% recht.

      zu 3) Das ist ja der Gag. Parteien sind Teile der politischen Landschaft, und Teile haben nunmal die Angewohnheit, dass sie begrenzt sind. Ich will die politische Landschaft zur Politik bringen, ohne persönliche Eitelkeiten. Ich glaube, das geht nicht mit fest definierten Grenzen. Und meine Frage haben sie mir damit nicht beantwortet: Wie stelle ich es an, dass die Partei ihre persönlichen Eitelkeiten herunterschlucken kann? Wenn ich eine Idee hab, bin ich sofort dabei und reiße mir den Arsch auf dafür, dass es klappt. Ohne Idee bin ich nicht dabei, sondern blubbere diese lose ins Netz, ohne wirkliche Notiz davon zu nehmen, ob das jemand liest oder nicht.

      Edit: Sie dürfen du zu mir sagen. Herr Ypsilon klingt nicht.

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