Afghanistan: Erfolg oder katastrophale Niederlage?

afghanistan © by The U.S. Army

Ich habe gestern Abend zufällig in der ARD den Film “Auslandseinsatz” gesehen und mir danach, entgegen meiner festen mir selbst gemachten Versprechungen, es nie wieder zu tun, “Anne Will” geschaut. Ausnahmsweise waren aber sehr, sehr gute Gäste da und es entstand eine durchaus nette Diskussion. Ich war, bin und werde weiterhin ein riesiger Fan von Jürgen Todenhöfer sein. Ich habe es selten erlebt dass jemand so bedacht und gleichzeitig informiert über Belange aus anderen Ländern reden kann wie dieser Mann.

Im Laufe des heutigen Tages dann hab ich mir eine Menge Gedanke zu Afghanistan gemacht. War der nunmehr 11 Jahre dauernde Einsatz ein Erfolg, oder ein Misserfolg? Mehr noch, war er vielleicht eine Niederlage, die mehr geschadet als genützt hat? Mein Ergebnis: Es war eine Niederlage. Mehr noch, es war katastrophal und erbärmlich was sich der Westen in Afghanistan geleistet hat. Warum?

Weil man ganz einfach naiv, dumm und kindisch an die Sache herangegangen ist. Man war zu kurzsichtig. Und mit kurzsichtig meine ich nicht die Art Kurzsichtigkeit, mit der man im Alltag ganz gut klar kommt und nur manchmal eine Brille braucht. Ich meine die Art, die so nahe wie möglich an Blindheit liegt und noch gerade so als Sehkraft durchgeht.

Es gibt so viele Dinge an diesem Einsatz, wo ein klar denkender Mensch im Nachhinein die Arme über dem Kopf zusammenschlägt und schreiend im Kreis läuft.

Eine Sache ist diese: Als die ISAF Truppen nach Afghanistan kamen, haben sie den Menschen Weizen geschenkt. Bis dahin gab es eine Menge Weizen-Bauern in Afghanistan. Nur: Was mache ich als Bauer, wenn meine Kunden den Weizen geschenkt bekommen? Richtig: Mohn anbauen. Die Gesetze des Markts, die wir im Westen ach so gut verstanden haben regelten die Sachlage dort unten. Und aus der tollen Idee, den Menschen zu helfen, wurde ein GAU. 2004 hat Afghanistan den Rekord an Opium-Erzeugung erzielt. 3 Jahre  nach  dem Eintreffen der internationalen Truppen. Und das sicher nicht, weil es unausweichlich war, sondern weil Fehler gemacht wurden.

Ich weiß, ich hab nicht viel Ahnung. Aber wie kann es sein, dass niemand bemerkt, wie kapital dumm so ein Fehler ist? Wäre es so schwer gewesen, 10 Sekunden nachzudenken und auf die Idee zu kommen, statt den Menschen Weizen zu schenken, sie zu bitten, noch mehr Weizen anzubauen? Es war doch klar, dass Afghanistan Drogen produziert. Ein intelligenter Westen hätte das Problem erkannt und sich als Kunde postiert. Dass man das Weizen danach verbrennen muss ist doch wurscht. Es werden pro Jahr so viele Milliarden und Abermilliarden im Drogenkrieg verpulvert. Für viel weniger hätte man den Afghanen kurzfristig helfen können. Und dann, wenn man sie aus der Kriminalität heraus hat, kann man sehen, wie man sie wirtschaftlich so aufstellt, dass man ihre Erzeugnisse nutzt. Aber ihnen ihre Ware schenken und dann wundern, wenn sie das Feld wechseln, ist einfach nur dämlich.

Eine andere Sache ist diese: Wie kann es sein, dass man die Warlords nach so vielen Jahren immer noch nicht anständig im Boot hat? Warum kann man nicht hingehen und sagen: Hört zu, wir wollen, dass die Taliban verschwinden. Außerdem hätten wir gerne etwas mehr Mädchenbildung in eurem Land. Bei den Taliban können wir euch helfen, indem wir euch schützen. Bei den Mädchen müsst ihr selbst Hand anlegen, aber wir geben euch dafür was zurück. Ihr bekommt Straßen und eine Ausbildung für eure Sicherheitskräfte. Wir fordern gar nicht, dass ihr demokratisch werdet. Das müsst ihr bei gegebener Zeit selbst machen. Wir fordern nur kleine, elementare Dinge.

Was machen unsere Experten? Zwingen den Afghanen eine Demokratie auf und stellen einen korrupten Präsidenten dahin, der weder sein Volk vertritt noch respektiert. In Afghanistan weiß nur jeder 10., was Demokratie ist, nur jeder 100. ist dafür und nur jeder 1000. kann dafür kämpfen. Man muss doch erst eine Basis schaffen, die Demokratie will, und dann Demokratie machen. Wie schafft man die Basis? Durch Bildung. Wie schafft man Bildung? Durch Schulen. Wir Schulen? Indem man die Warlords besticht. 20 Jahre so arbeiten, Universitäten eröffnen, die gebildeten Afghanen und Exil-Afghanen zurück ins Land holen. Wir sind jetzt 11 Jahr dort unten, haben viel getötet und wenig bewegt. Ich will nicht wissen, welche Budgets da rein geflossen sind und wie viele Jahrhunderte man den Afghanen Weizen hätte abkaufen können, den man dann verbrennt, und Schulen bauen, aus denen die Leute kommen, die den Laden in 30 Jahren aufräumen.

Ja, ich bin naiv und gutgläubig. Nein, das geht nicht alles so leicht wie ich das denke. Ja, da sind Fehler drin. Aber ich denke, es sollte verdammt klar sein, dass es andere Wege gegeben hätte, Afghanistan in eine gute Zukunft zu führen. Der Weg, den wir gewählt haben, war ein schlechter. Die Niederlage des Westens ist eine katastrophale.

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3 Responses to Afghanistan: Erfolg oder katastrophale Niederlage?

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